Bundesverband Kalksandsteinindustrie e. V.

Bauaufsichtliche Anforderungen

Der Brandschutz wird ausführlich in allen 16 Landesbauordnungen (LBO) geregelt. Die generelle Forderung der Musterbauordnung (MBO)  lautet:

  • „Bauliche Anlagen sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten, dass der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch (Brandausbreitung) vorgebeugt wird und
  • bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren sowie
  • wirksame Löscharbeiten möglich sind.“

In einzelnen Abschnitten der LBO werden dann die brandschutztechnischen Anforderungen an die Bauteile und Baustoffe – heute Bauprodukte – geregelt.

Die wesentlichen Brandschutzanforderungen werden anhand der Musterbauordnung sowie der Muster-Verordnungen sowie der Muster- Richtlinien erläutert. Die Zusammenfassung der Brandschutzanforderungen für die einzelnen Bundesländer kann auf der Internetseite des Bundesverbands Kalksandsteinindustrie e.V. eingesehen werden unter www.kalksandstein.de . Die Angaben werden regelmäßig aktualisiert.

Um die Grundsatzanforderung der MBO zu erfüllen, werden an Gebäude, Bauteile sowie Baustoffe (Bauprodukte) zahlreiche Einzelanforderungen gestellt.

Überblick über die Zusammenhänge der bauaufsichtlichen Brandschutzvorschriften

Die Grundlagen bauaufsichtlicher Brandschutzanforderungen sind in den jeweils gültigen Landesbauordnungen und den dazugehörigen Verordnungen sowie den technischen Baubestimmungen und Verwaltungsvorschriften enthalten.

Stand: September 2013

Gebäude

Alle Landesbauordnungen, die dazugehörenden Durchführungsverordnungen bzw. die Verwaltungsvorschriften, unterscheiden Gebäude normaler Art und Nutzung (z.B. Wohngebäude und Gebäude vergleichbarer Nutzung einschließlich einfache Büro- und Verwaltungsgebäude), Gebäude besonderer Art oder Nutzung – Sonderbauten (z.B. Versammlungsstätten, Verkaufsstätten, Hotels, Gaststätten, Schulen, Krankenhäuser, Hochhäuser oder Industriebauten usw.).

Bei den geltenden Bauordnungen auf der Grundlage der MBO (Stand November 2002) sind die Gebäude normaler Art und Nutzung in 5 Gebäudeklassen unterteilt. Im Höhenbereich zwischen 7 und 22 m erfolgt eine zusätzliche neue Unterteilung. Außerdem erfolgt auch eine Unterteilung in Abhängigkeit von der Anzahl und Größe der Nutzungseinheiten (NE). Hierbei wird als Grenze für die Größe eine Fläche von 400 m2 gesetzt.
Der jeweils aktuelle Stand der MBO sowie Mustervorschriften sind unter www.is-argebau.de  erhältlich.

Gebäudeklassen nach Musterbauordnung MBO (Stand: September 2012)

Der Bezugspunkt der Geländeoberfläche ist in den Bundesländern unterschiedlich.

Muster-Richtlinien und -Verordnungen für Sonderbauten (Stand: September 2013)

Bauteile

Für Bauteile (hier: Wände) unterscheiden die bauaufsichtlichen Anforderungen u.a.: feuerhemmend, hochfeuerhemmend, feuerbeständig, Brandwand oder Bauart Brandwand

Bauaufsichtliche Benennung für Bauteile und Klassifizierung gemäß DIN 4102-2

Rauchdichte Bauteile

Trotz der Anforderung in der MBO über die „Ausbreitung von Feuer und Rauch“ ist festzustellen, dass es keine rauchgasdichten Bauteile gibt. In den Bauordnungen gibt es lediglich Anforderungen an dichte Türen oder rauchdichte Türen oder Rauchschutztüren. Die Definitionen sind in den einzelnen Bundesländern teilweise unterschiedlich. Unter dichten Türen werden in der Regel lediglich Türen mit Doppelfalz und dreiseitiger Dichtung verstanden. Das Schutzziel ist,dass ein Mensch hinter einer derartigen Tür ohne Atemgerät mindestens 10 min. überleben kann. Also auch diese Türen sind nicht „dicht“ gegen Rauchgase. Normale Brandschutztüren T 30 oder T 90 erfüllen keine Anforderungen hinsichtlich einer Rauchdichtigkeit.

Wände ebenso wie Decken sind nicht rauchdicht, weil die Prüfkriterien der DIN 4102 keine direkten Beurteilungskriterien für diesen Gesichtspunkt enthalten. Die Forderungen der Landesbauordnungen, der Entstehung und Ausbreitung von Feuer und Rauch vorzubeugen, werden durch die Prüfkriterien der DIN 4102 erfüllt, d.h. mit einer Klassifizierung nach DIN 4102 wird auch die Anforderung, dem Durchtritt von Rauch vorzubeugen, nachgewiesen. Dies gilt damit auch für unvermörtelte Stoßfugen gemäß DIN 1053 oder DIN EN 1996-1-1/NA (NCI zu Abschnitt 8.1.5).
Für eine geforderte Rauchgasdichtigkeit, z.B. für Computerräume mit Datensicherung, müssen daher im Einzelfall gesonderte konstruktive Maßnahmen und Beurteilungen erfolgen. Dies gilt entsprechend nach den europäischen Prüfnormen.

Baustoffe

Für Baustoffe werden Zusatzanforderungen gestellt die z.B. mit nichtbrennbar oder im Wesentlichen nichtbrennbar, mindestens schwerentflammbar umschrieben werden.

Bauaufsichtliche Benennungen für Baustoffe und Klassifizierungen nach DIN EN 13501-1 bzw DIN 4102-1

Bauaufsichtliche Anforderungen

Auszug: Brandschutzanforderungen an Wände und Decken nach MBO 2002 (Stand: Ä September 2012)

1. Anmerkung: Die vollständige Tafel siehe KALKSANDSTEIN Planungshandbuch (PKA) Seite 243/244

2. Anmerkung: maßgeblich ist immer die Landesbauordnung (LBO); nicht die Musterbauordnung (MBO)

Außenwände

Die Beurteilung von Außenwänden führt immer wieder zu Problemen in der Praxis. Sie wurden daher in der Änderung 2012 der MBO § 28 entsprechend definiert:

  1. Außenwände (tragend und nicht tragend)– und (nicht tragende) Außenwandteile tragender Außenwände wie Brüstungen und Schürzen – sind so auszubilden, dass eine Brandausbreitung auf und in diesen Bauteilen ausreichend lang begrenzt ist.
    • Diese Anforderung gilt als erfüllt wenn alle Baustoffe in den genannten Bauteilen aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen und keine Hohlräume aufweisen.
  2. Nicht tragende Außenwändeund nicht tragende Teile tragender Außenwände müssen aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen; sie sind aus brennbaren Baustoffen zulässig, wenn sie als raumabschließende Bauteile feuerhemmend sind, d.h. W 30 nach DIN 4102-3.
    • Dies gilt nicht für:
    • Türen und Fenster,
    • Fugendichtungen,
    • brennbare Dämmstoffe in nichtbrennbaren geschlossen Profilen der Außenwandkonstruktionen,
    • die Gebäudeklassen 1 bis 3.
  3. Oberflächen von Außenwändensowie Außenwandbekleidungen müssen aus schwerentflammbaren Baustoffen bestehen, die nicht brennend abfallen oder abtropfen.
    • Dies gilt auch für:
    • Balkonbekleidungen, die über die erforderliche Umwehrungshöhe hinaus hochgeführt werden,
    •  mehr als zwei Geschosse überbrückende Solaranlagen an Außenwänden.
    • Dies gilt nicht für:
    •  die Gebäudeklassen 1 bis 3.
  4. Dämmstoffe und Unterkonstruktionenin Außenwänden sowie Außenwandbekleidungen müssen aus schwerentflammbaren Baustoffen bestehen. Unterkonstruktionen aus normalentflammbaren Baustoffen sind zulässig, wenn die Anforderungen nach Absatz (1) erfüllt sind.
    • Dies gilt nicht für die Gebäudeklassen 1 bis 3.
  5. Bei Außenwandkonstruktionen mit geschossübergreifenden Hohl- oder Lufträumensowie hinterlüfteten Außenwandbekleidungen sind gegen die Brandausbreitung besondere Vorkehrungen zu treffen.
    • Dies gilt auch für:
    • Doppelfassaden (nicht für Gebäudeklassen 1 und 2), den Hohlraum beim zweischaligen Mauerwerk mit belüftetem oder nicht belüftetem Hohlraum.
    • Dies gilt nicht für:
    • die Gebäudeklassen 1 bis 3, sowie unabhängig von der Gebäudeklasse für zweischaliges Mauerwerk mit Schalenfuge ausgefüllt mit nichtbrennbarem Dämmstoff.

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