Bundesverband Kalksandsteinindustrie e. V.
Markt und Bauwirtschaft 26.04.2017 print

Steine werden aus einheimischen Rohstoffen hergestellt – für Bauholz ist Deutschland schon auf Importe angewiesen!

Während die natürlichen Rohstoffe für den Baustoff Mauerwerk nahezu unbegrenzt vorhanden sind, gestaltet sich die Bedarfsdeckung aus heimischen Rohstoffen in Sachen Bauholz seit einiger Zeit immer schwieriger.

Vergleicht man die Marktanteile der überwiegend verwendeten Baustoffe im gesamten Wohnungsbau, wird schnell klar, dass Wände aus Mauersteinen mit knapp 73 % deutlich an der Spitze liegen. Das kommt nicht von ungefähr, liefert der massive Baustoff Stein doch eine ganze Reihe positiver Eigenschaften. Einige zentrale Aspekte sind dabei die Nachhaltigkeit, die Wirtschaftlichkeit, der Brandschutz und die regionale Ressourcenverfügbarkeit. Gerade letztere ist bei anderen Baustoffen, wie etwa Nadelholz für Bauzwecke, nicht mehr jederzeit gegeben.

Unterschiede in der Verfügbarkeit von Mauerwerk und Bauholz
Die natürlichen Rohstoffe Sand, Kies, Bims, Blähton und Ton, die zur Herstellung von Mauersteinen überwiegend verwendet werden, sind nahezu unbegrenzt vorhanden. Weiterhin sind sie in fast jeder Region verfügbar, was die Transportwege kurzhält. Für Steine liegen die Transportentfernungen gemäß Güterverkehrsstatistik bei durchschnittlich 53 km, während einheimisches Holz durchschnittlich über 167 km transportiert wird. Immer mehr Nadelhölzer zu Bauzwecken werden auch aus frem¬den Ländern eingeführt, was mit zunehmenden Transportentfernungen einhergeht. „Vor allem mit Blick auf eine immer häufiger beworbene Ausweitung des Holzeinsatzes im Baubereich fehlen dafür eindeutig die Ressourcen an Nadelholz hierzulande“, so Dr. Ronald Rast, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM). Denn für die Anwendung als Bauholz werden für Außenwände zu 96 Prozent und für Innenwände zu etwa 94 Prozent Nadelhölzer eingesetzt.

Deutschland auf Holzimporte angewiesen
Untersetzt wird diese Aussage durch eine aktuelle Studie der LCEE, einem Spin- Off der TU Darmstadt, mit dem Titel „Massiv- und Holzbauweise“. Diese beleuchtet in dem Zusammenhang die Handelsbilanz für das zur bauwirtschaftlichen Nutzung priorisierte Nadelholz. Demnach könne der heutige Bedarf in Deutschland aus heimischen Nadelhölzern immer weniger gedeckt werden, sodass schon seit mehreren Jahren Nadelrohholzimporte vonnöten sind. Während es beim Nadelschnittholz noch einen Netto-Exportüberschuss von 2,7 Mio. m3 gibt (Importvolumen: 3,7 Mio. m3; Exportvolumen: 6,4 Mio. m3), herrscht beim Nadelrohholz ein Defizit von 5,7 Mio. m3 (7,4 Mio. m3 zu 1,7 Mio. m3) vor. „Somit ist Deutschland bei den als Bauholz verwendeten Nadelhölzern ein Netto-Importeur. Zur Deckung des Nadelholzbedarfs im Baubereich sind wir also bereits heute auf ausländische Ressourcen angewiesen“, erläutert Dr. Rast.

Nicht zertifiziertes Holz aus Importen
Bei Betrachtung der unterschiedlichen Aspekte scheint widersprüchlich, dass die Verwendung von Holz im Baubereich auch in bisher für Holzkonstruktionen unübliche Anwendungen weiter gesteigert und dafür sogar eine Änderung in den Bauordnungen angestrebt werden soll, die den freien Wettbewerb zwischen den Bauweisen bewusst verzerrt. In den Augen der DGfM ist diese angestrebte Bedarfsankurbelung für Nadelholz nicht nachvollziehbar: „Es kann nicht im Sinne einer nachhaltigen Holzwirtschaft sein, dass eine bewusste weitere Nachfragesteigerung für Bauholz vorangetrieben wird, obwohl das dafür erforderliche Nadelholz schon seit Jahren anteilig importiert werden muss und außerdem das Risiko der Verwendung nicht zertifizierter Hölzer zunehmend besteht“, stellt Dr. Rast klar. Der ansteigende Bedarf an Holzimporten geht einher mit zunehmenden Transportentfernungen von zum Teil mehr als 1000 km und auch laut einer WWF-Studie mit dem wachsenden Einsatz an nicht zertifizierten Hölzern, die aus illegalem Holzeinschlag stammen: Mit nachhaltigen Bauen hat das dann nichts mehr zu tun!

Aktueller Baubedarf für Deutschland
Grundsätzlich, so stellt die DGfM dar, gibt es keinerlei Vorbehalte gegenüber dem Werk- und Baustoff Holz an sich. Praktisch schon seit Jahrhunderten werden z.B. Hölzer für Dachstühle, Bauelemente wie Fenster und Türen sowie Fußbodenbelege und Wandverkleidungen zusammen mit Mauerwerk der verschiedensten Arten insbesondere in Wohnbauten genutzt. Auch Fachwerkhäuser, die neudeutsch wahrscheinlich als „Hybridbauten“ bezeichnet würden, gehören in einigen Gebieten Deutschlands fest zur Baukultur und prägen ganze Stadtbilder. Gerade jetzt stehen wir zudem vor der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe, den bezahlbaren Wohnungsbau in Deutschland nochmals deutlich zu steigern.

Wir brauchen dazu über mehrere Jahre Fertigstellungen von mindestens 350.000 bis 400.000 Wohnungseinheiten. In den Jahren 2014 und 2015 wurden jeweils nur rund 250.000 Wohnungseinheiten, im Jahr 2016 aus heutiger Sicht auch noch keine 300.000 Wohnungen neu gebaut. Allein hier ist kurzfristig eine Steigerung der Wohnungsbauaktivitäten um über 25 Prozent erforderlich. Das ist eine Aufgabe, die ohnehin eine gewaltige Herausforderung für alle Bauweisen darstellt. Allerdings sollten bestimmte Aspekte in Bezug auf eine deutlich verstärkte Nadelholzverwendung im Baubereich unter nachhaltiger Sicht nochmals kritisch hinterfragt werden.

Quelle und weitere Informationen:
www.dgfm.de

Bundesverband Kalksandsteinindustrie eV
Entenfangweg 15
30419 Hannover

info@kalksandstein.de
www.kalksandstein.de

KS-Lexikon