KS-Nord e.V.

Nachhaltigkeit und Ökologie

Anlässlich des Erdgipfels von Rio haben 178 Staaten auf den dringenden Handlungsbedarf zur Erhaltung der Lebensgrundlagen hingewiesen. Sie haben sich dazu bekannt, das Leitbild „Sustainable Development“  auszufüllen und deshalb weitere Maßnahmen in der Umwelt-, Entwicklungs-, Sozial- und Wirtschaftspolitik gefordert. Das Handlungsprinzip einer nachhaltigen Entwicklung ist es, die Bedürfnisse der jetzigen Generation zu erfüllen, ohne die Möglichkeit späterer Generationen einzuschränken, ihre Bedürfnisse ebenfalls befriedigen zu können. Hieraus ergeben sich vielfältige ökonomische, ökologische und soziokulturelle Anforderungen.

Dimensionen der Nachhaltigkeit

Die Nachhaltigkeit setzt sich zusammen aus den folgenden Dimensionen:

  • Ökonomie,
  • Ökologie und
  • Soziokulturelles.

Dabei sind die drei Dimensionen als gleichwertig zu betrachten. Kaum ein anderer Bereich macht die Wechselbeziehungen zwischen den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit derart deutlich wie der Bereich Bauen und Wohnen.

Dimensionen der Nachhaltigkeit

Lebenszyklusbetrachtung

Daten zur Ökobilanz Kalksandstein

Lebenszyklusbetrachtung und Ökobilanz für Kalksandsteine

Jedes Bauen, jedes Betreiben eines Gebäudes greift in die Dimension der Nachhaltigkeit ein.
Zur Objektivierung einer Bewertung müssen insbesondere die ökonomischen und ökologischen Einflussfaktoren über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes von der Wiege bis zur Bahre (cradle to grave) erfasst werden. Die Zielsetzung ist es, die Lebenszyklusaufwendungen – seien sie ökonomischer oder ökologischer Natur – zu minimieren.

Inhaltsstoffe
Kalksandsteine bestehen aus den rein natürlichen Inhaltstoffen Kalk, Sand und Wasser. Es werden keine chemischen Zusätze beigemengt.  Der Sand wird meist in der Nähe des jeweiligen Kalksandsteinwerkes gewonnen. Aufgrund des Mischungsverhältnisses von 1:12 (Kalk zu Sand) werden bei der Produktion große Mengen dieses Zuschlagstoffes benötigt. Kurze Transportwege führen somit zu einer sehr günstigen Ökobilanz. Die Lagerstätten werden nach dem umweltschonenden Abbau der Rohstoffe rekultiviert und stehen zur Nutzung z.B. als Naherholungsgebiete oder als Biotope für Flora und Fauna wieder zur Verfügung. Oftmals entstehen nach der Rekultivierung landschaftsschutztechnisch höherwertige Gebiete als vor dem Abbau.

Abbaustätten werden rekultiviert, neue Biotope entstehen.

Herstellung
Kalksandsteine erweisen sich im Vergleich zu anderen Wandbildnern in ökologischer Hinsicht als besonders günstig. Kalk und Sand werden nach Zugabe von Wasser gepresst und durch Dampfdruck gehärtet. Emissionen entstehen lediglich bei der Dampferzeugung für die Dampfhärtekessel (Autoklaven), die mit einer vergleichsweise niedrigen Temperatur von ca. 200 °C betrieben werden. Kalksandstein verändert sich nach Verlassen des Autoklaven nicht mehr. Bei bestimmungsgemäßer Anwendung ist er unbegrenzt beständig. Auch im Brandfall können keine toxischen Gase und Dämpfe entstehen. Kalksandstein emittiert keine schädlichen Stoffe wie z. B. VOC. Die natürliche ionisierende Strahlung der Kalksandstein-Produkte ist äußerst gering und erlaubt aus radiologischer Sicht einen uneingeschränkten Einsatz dieses Baustoffes. Unter Wassereinwirkung (z.B. Hochwasser) reagiert Kalksandstein schwach alkalisch.  Es werden keine Stoffe ausgewaschen, die wassergefährdend sein können.

Radioaktivität verschiedener Baustoffe

Kalksandsteine enthalten im Vergleich zu anderen Baustoffen nur sehr geringe Konzentrationen an radioaktiven Isotopen.

Transport
Kalksandsteine werden in knapp 100 Produktionsbetrieben regional hergestellt. Hieraus ergibt sich ein dichtes Netz von Kalksandstein-Werken und damit kurze Transportwege mit Entfernungen von ca. 40 bis 60 km vom jeweiligen KS-Werk. Kurze Transportwege bedeuten geringe Umweltbelastungen sowie niedrige Transportkosten und eine sichere Terminierung der Anlieferung.

Verarbeitung
Für den modernen Kalksandstein-Mauerwerksbau gibt es vielfältige Rationalisierungsansätze, die auch die Verarbeitung erleichtern. Dazu zählen für das kräfteschonende Mauern von Hand die Griffhilfen, um gesundheitlichen Schäden vorzubeugen, das Nut-Feder-System und entsprechende Mörtelschlitten für Dünnbett- und Normalmauermörtel. Die Ausformungen der Kalksandstein-Zweihandsteine erweisen sich als ergonomisch besonders günstig. Durch diese Griffhilfen „hängen“ die Steine an den Fingern. Kalksandsteine mit einer bauüblichen Feuchte und einem Gewicht von mehr als 25 kg werden entsprechend den Anforderungen der Berufsgenossenschaft mit Versetzgeräten verarbeitet. Hier bieten die Kalksandsteine mit Nut-Feder-System besondere Vorteile, da sie ein passgenaues oberflächenebenes Mauern gewährleisten.

Nutzungsphase 

  • Heizenergiebedarf
    • Außenwandkonstruktionen aus Kalksandstein sind in besonderem Maße geeignet, alle Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz zu erfüllen. Hierdurch kann der Heizwärmebedarf bis auf einen Passivhausstandard – mit weniger als 15 kWh/(m²·a) – oder auf einen Nullheizenergiestandard reduziert werden.
       
  • Kühlung
    • Gebäude aus Kalksandstein-Mauerwerk erweisen sich aufgrund der hohen speicherfähigen Masse bezüglich des sommerlichen Wärmeschutzes als besonders günstig. Die Temperaturamplitude im Tag- Nacht-Rhythmus einer Hitzeperiode wird erheblich reduziert. So werden  Übertemperaturgradstunden minimiert und man kann vielfach auf eine Klimatisierung verzichten. Positiv wirkt sich hier eine möglichst effektive Nachtlüftung aus.
       
  • Lüftung
    • Vollflächiger Innenputz erfüllt die Funktion der Luftdichtheitsebene auch bei Kalksandstein-Mauerwerk ohne Stoßfugenvermörtelung. Geregelte Außenwandluftdurchlässe (ALD) sorgen für einen Mindestluftwechsel und begrenzen gleichzeitig den Luftvolumenstrom. Ist eine maschinelle Lüftung vorgesehen, sollte im Variantenvergleich der Einsatz von Anlagen mit Wärmerückgewinnung geprüft werden.
       
  • Luftfeuchte
    • Kalksandstein-Mauerwerk weist ein hohes Absorptionsvermögen von Wasserdampf auf, so dass ein erhöhter nutzungsbedingter Feuchteanfall gepuffert werden kann.
  • Akustische Behaglichkeit
    • Durch die hohe Rohdichte und die damit erzielbare hohe flächenbezogene Masse von Kalksandsteinwänden lassen sich die Anforderungen nach DIN 4109 einschließlich der Anforderungen an einen erhöhten Schallschutz problemlos erfüllen.
  • Brandschutz
    • In brandschutztechnischer Hinsicht lassen sich mit nichtbrennbaren Kalksandsteinen und hochfeuerwiderstandsfähigen Kalksandsteinwänden nicht nur alle Anforderungen nach den Landesbauordnungen erfüllen, sondern sie bieten darüber hinaus höchste Sicherheit im Brandschutz, wie das nur massive Bauteile können.
  • Schimmelpilzbildung
    • Maßnahmen des winterlichen Wärmeschutzes führen zu einer Erhöhung der Bauteilinnenoberflächentemperatur. Kalksandstein- Außenwände, die dem derzeitigen Anforderungsniveau an den winterlichen Wärmeschutz entsprechen, führen zu Wandinnenoberflächentemperaturen, die weit über die Anforderungen nach DIN 4108-2 hinausgehen. Damit ist auch bei nicht vollständig zu vermeidenden konstruktiven bzw. geometrischen Wärmebrücken eine ausreichende Sicherheit gegeben. Hierbei ist auf den Wärmebrückenkatalog Kalksandstein hinzuweisen,
       
  • Raumluftqualität
    • Kalksandsteine bestehen aus rein natürlichen Stoffen, so dass eine Beeinträchtigung der Innenraumluftqualität ausgeschlossen werden kann. Insbesondere bei den anderen Materialien des Innenausbaus sollte jedoch auf die Wahl emissionsfreier Produkte geachtet werden.
       
  • Reinigung
    • Kalksandsteinwände lassen sich auch als Sichtmauerwerk problemlos reinigen. Bei bewittertem KS-Sichtmauerwerk sind die Empfehlungen der KS-Industrie für Beschichtungen und Imprägnierungen zu beachten, um Verunreinigungen oder Veralgungen zu vermeiden.
  • Instandhaltung
    • Aufgrund der Robustheit sind Kalksandsteinwände instandhaltungsfrei. Beschichtungen oder Imprägnierungen sowie Dämmmaßnahmen als Wärmedämm-Verbundsystem oder vorgehängte hinterlüftete Bekleidung erfordern eine turnusmäßige Inspektion und Wartung.

Abriss, Recycling und Nachnutzung

  • Wieder- und Weiterverwendung
    • Kalksandstein überdauert die Nutzungszeit der daraus errichteten Gebäude. Nach dem Rückbau derartiger Gebäude können die Materialien deshalb ohne Einschränkungen hinsichtlich Dauerhaftigkeit erneut verwendet werden. Vermauerte Kalksandsteine wurden bislang kaum wieder verwendet.
    • Kalksandsteine sind recyclingfähig. Kalksandsteinreste aus Rückbau und Abbruch erfüllen die Kriterien der Länderarbeitsgemeinschaft Abfall /LAGA 2003/ und können dementsprechend verwertet werden.

Entsorgung

  • Die Deponiefähigkeit von Kalksandsteinen gem. Klasse I nach der TA Siedlungsabfall ist gewährleistet.
  • Kalksandsteine im Gemenge von Bauabbruchmassen sind im europäischen Abfallartenkatalog unter der EAK-Nummer 17 01 07 Bauschutt, bestehend aus Beton, Ziegeln, Mörtel, Kalksandstein, Keramik, Ton, Tontöpfen und Dachpfannen eingeordnet.

Schutzziele und Indikatoren des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen

Im Jahr 2011 wurde der erstmals in 2001 aufgelegte "Leitfaden Nachhaltiges Bauen" mit einer Neuauflage fortgeschrieben. Mit der Einführung wurde für den Neubau von Bundesbaumaßnahmen das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) verbindlich eingeführt. Dabei gilt es, die im Leitfaden Nachhaltiges Bauen gestellten Anforderungen einzuhalten. Siehe auch:

http://www.nachhaltigesbauen.de/leitfaeden-und-arbeitshilfen-veroeffentlichungen/leitfaden-nachhaltiges-bauen-2013.html

  • Ökologische Qualität
    • Treibhauspotenzial (Global Warming Potential – GWP) zur Beschreibung des Beitrags von Emissionen zur Erwärmung der bodennahen Luftschichten (Klimawandel)
    • Ozonschichtabbaupotential (Ozone Depletion Potential – ODP) zur Beschreibung der Bildung des Ozonlochs
    • Ozonbildungspotenzial (Photochemical Ozone Creation Potential – POCP) zur Beschreibung der bodennahen Ozonbildung  (Sommersmog)
    • Versauerungspotenzial (Acidification Potential – AP) zur Beschreibung des Einflusses von saurem Regen (Waldsterben)  Überdüngungspotenzial (Eutrofication Potential – EP) zur Beschreibung der Überdüngung von Gewässern
    • Risiken für die lokale Umwelt (Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden, Außenluft)
    • Nachhaltige Materialgewinnung Holz zur Beschreibung der Tropischen Hölzer aus nachhaltiger Gewinnung zum Ausschluss von Holz und Holzwerkstoffen aus unkontrollierter Gewinnung in gefährdeten tropischen, subtropischen und borealen Waldregionen der Erde
  • Ressourceninanspruchnahme
    • Primärenergiebedarf nicht erneuerbar (PEne) zur weiteren Reduzierung des Primärenergieverbrauchs bei gleichzeitiger Entkopplung vom Wirtschaftswachstum
    • Gesamtprimärenergiebedarf (PEges) und Anteil erneuerbarer Primärenergie (PEe) zur Beschreibung und Erhöhung des Anteils der erneuerbaren Energien am Gesamtprimärenergiebedarf
    • Trinkwasserbedarf und Abwasseraufkommen mit dem Ziel der Minimierung des Trinkwasserverbrauchs durch effiziente Wassereinsparungstechniken und -maßnahmen
    • Flächeninanspruchnahme im Hinblick auf die Minimierung der Landschaftszersiedlung
    • sowie zusätzlicher Bodenversiegelung
       
  • Ökonomische Qualität
    • Gebäudebezogene Kosten im Lebenszyklus zur Minimierung der Lebenszykluskosten (Erstellung, Betrieb, Instandhaltung, Rückbau, Recycling etc.)
    • Drittverwendungsfähigkeit zur Beschreibung der Flexibilität und Anpassungsfähigkeit
  • Soziokulturelle Qualität
    • Thermischer Komfort im Winter als Grundlage für effizientes und leistungsförderndes Arbeiten
    • Thermischer Komfort im Sommer als Grundlage für effizientes und leistungsförderndes Arbeiten
    • Innenraumhygiene zur Sicherstellung einer guten Innenraumluftqualität auch im Bezug auf die CO2-Werte
    • Akustischer Komfort zur Sicherstellung eines geringen resultierenden Stör- und Fremdgeräuschpegels sowie der Sprachverständlichkeit in Räumen
    • Visueller Komfort als Grundlage für effizientes und leistungsförderndes Arbeiten einschließlich einer ausreichenden und störungsfreien Beleuchtung Einflussnahme des Nutzers zur Erhöhung der Behaglichkeit und Nutzerzufriedenheit
    • Aufenthaltsmerkmale im Außenraum zur Schaffung von individuellen Kommunikations-, Ausweichs- und Rückzugsmöglichkeiten für unterschiedliche Nutzergruppen und Nutzerbedürfnisse
    • Sicherheit und Störfallrisiken zur Erhöhung der subjektiven Sicherheit
  • Funktionalität
    • Barrierefreiheit mit dem Ziel, allen Menschen die Möglichkeit zu geben, die gebaute Umwelt  gleichermaßen zu nutzen
    • Flächeneffizienz zur Steigerung der effektiven Nutzung bereits versiegelter Flächen Umnutzungsfähigkeit zur Steigerung der Akzeptanz und Lebensdauer eines Bauwerks durch Erhöhung der Funktionalität,
    • Flexibilität und Anpassbarkeit an sich wandelnde Rahmenbedingungen (Adaptivität) Zugänglichkeit zur Unterstützung von Integrationsprozessen
    • Fahrradkomfort zur Verbesserung der Fahrradinfrastruktur
  • Sicherung der Gestaltungsqualität
    • Gestalterische und städtebauliche Qualität im architektonischen Wettbewerb
    • Kunst am Bau zur Stärkung der baukulturellen Verantwortung und Vorbildfunktion von öffentlichen Bauherren
  • Technische Qualität Technische Ausführung
    • Schallschutz auf der Grundlage der allgemein anerkannten Regeln der Technik
    • Reinigung und Instandhaltung des Baukörpers bzw. der Baukonstruktionen zur Erhöhung der technischen Lebensdauer
    • Rückbau, Trennung und Verwertung im Bezug auf die Baukonstruktionen,
    • Recyclingfreundlichkeit als Paradigmenwechsel vom potenziellen Müll zum Zwischenlager wertvoller Rohstoffe
    • Wärme- und Tauwasserschutz – derzeit in Bearbeitung
  • Prozessqualität / Planung
  • Standortqualität / Standortmerkmale

Für die Bewertung der Büro- und Verwaltungsbauten wird das Gebäude im Hinblick auf die Ökonomie und die Ökologie über einen Betrachtungszeitraum von 50 Jahren bewertet. Die Indikatoren zur Bewertung der Nachhaltigkeit wurden darüber hinaus z.B. an Unterrichts- und Laborgebäude angepasst.
- ebenfalls für einen Betrachtungszeitraum von 50 Jahren.

Für den Bereich des Wohnungsbaus gibt es das Bewertungssystem Nachhaltiger Wohnungsbau mit dem ein Wohnungsneubau derzeit auf freiwilliger Basis bewertet werden kann. Dabei beträgt der Betrachtungszeitraum 80 Jahre.

Referenzzeiträume von Gebäuden

Referenzzeiträume von anderen Gebäuden

Weitere Informationen zu Nachhaltigkeit, Ökobilanz im Downloadcenter:
Planungshandbuch Kalksandstein (PKA)

Umwelt-Produktdeklaration nach ISO  14025 Kalksandstein des Bundesverbandes Kalksandsteinindustrie

Hier geht es zum Downloadcenter Kalksandstein

KS-Lexikon

Infomaterial

  • Produktprogramm des KS-Nord e.V.
Kalksandstein - Produkt und Anwendung in Norddeutschland Produktprogramm des KS-Nord e.V.
    Kalksandstein - Produkt und Anwendung in Norddeutschland
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