KS-Süd e.V.

Außenlärm

Anforderungen

Zum Schutz gegen Außenlärm werden Anforderungen an die Außenbauteile von Aufenthaltsräumen gestellt. Dazu soll deren Schalldämmung so hoch sein, dass der eindringende Lärm einen zumutbaren Schallpegel nicht überschreitet. Falls Außenbauteile aus mehreren Teilflächen unterschiedlicher Schalldämmung bestehen (z.B. Wände, Fenster, Türen, Rollladenkästen, Lüftungseinrichtungen), gelten die Anforderungen an das aus den einzelnen Schalldämm-Maßen der Teilflächen berechnete gesamte Schalldämm-Maß R‘w,ges. Die grundsätzliche Vorgehensweise der E DIN 4109 hat sich gegenüber der DIN 4109 (1989) nicht geändert. Es wird wie zuvor die Gesamtbelastung zu Grunde gelegt, die je nach Situation die Anteile der Geräuscheinwirkung von Straßen-, Schienen- und Wasserverkehr sowie von Gewerbe- und Industrieanlagen erfasst. Die Anforderungen gelten nicht für den Schutz gegen Fluglärm, soweit die Schallschutzmaßnahmen durch das „Gesetz zum Schutz gegen Fluglärm“ geregelt sind.
Auch an den Zahlenwerten der Anforderungen hat sich gegenüber der bisherigen DIN 4109 (1989) nichts geändert, so dass die Anforderungen an Außenbauteile gleich bleiben. Weiterhin wurde in der E DIN 4109 wie bisher darauf verzichtet, die Spektrum-Anpassungswerte für den Außenlärm zu berücksichtigen, so dass im bauaufsichtlichen Bereich eine Ausrichtung am tatsächlichen Geräuschspektrum des Außenlärms nicht stattfindet.

Anforderungen an die Luftschalldämmung zwischen Außen und Räumen in Gebäuden

Wenn Außenbauteile unterschiedlich zur maßgeblichen Lärmquelle orientiert sind, müssen die Anforderungen jeweils separat angewendet werden.


Nachweise

Für die Planung und den Nachweis des Schutzes gegen Außenlärm muss zuerst der maßgebliche Außengeräuschpegel LMAP bekannt sein. Nur in Ausnahmefällen wird er durch Schallpegelmessungen vor Ort bestimmt. Er kann in Bebauungsplänen festgelegt sein, aus amtlichen Lärmkarten oder Lärmminderungsplänen entnommen oder beispielsweise für Verkehrslärm aus der Verkehrsbelastung von Straßen ermittelt werden. Je nach Art der Geräuschquellen sind bei der Ermittlung des LMAP  unterschiedliche Regelungen zu berücksichtigen, die in E DIN 4109-2 (Rechenverfahren) und E DIN 4109-4 (messtechnische Nachweise) benannt werden.

Anhand des LMAP wird für den zutreffenden Pegelbereich das erforderliche gesamte Schalldämm-Maß R’w,ges des Außenbauteils bestimmt. Der so ermittelte Wert ist anschließend noch mit dem Korrekturwert KAL hinsichtlich der Fassadenfläche und der Grundfläche des Empfangsraums zu korrigieren.

mit:
S(W+F) :  Vom Raum aus gesehene gesamte Fassadenfläche; 
SG :Grundfläche des Raumes

Vereinfacht können die Werte für KAL, gerundet auf ganze Zahlen, folgender Tafel entnommen werden.

Korrekturwerte KAL für das erforderliche gesamte Schalldämm-Maß R’w,ges (siehe oben) in Abhängigkeit vom Verhältnis S(W+F) /SG

Erst dieser korrigierte Wert stellt die tatsächliche Anforderung an die Schalldämmung der Außenbauteile dar.

Unter Berücksichtigung einer pauschalen Unsicherheit von 2 dB gilt damit für den Nachweis:

R‘w,ges -2 dB  ≥  erf. R‘w,ges + KAL

Da diese Korrektur nichts anderes als eine Umrechnung auf DnT,w darstellt, kann auf sie verzichtet werden, wenn die Anforderungen wie in der VDI 4100: 2012 an ein DnT,w gestellt werden.

Resultierende Schalldämmung

Im Zuge der Planung wird deshalb zuerst die resultierende Schalldämmung des gesamten Außenbauteils errechnet. Dazu werden für die Gesamtfläche Sges des gesamten Bauteils die Teilflächen Si der einzelnen Elemente mit ihren jeweiligen bewerteten Schalldämm-Maßen Rw,i berücksichtigt.

Zu beachten ist bei dieser Rechnung, dass mit den Schalldämm-Maßen Rw,i immer die Direktdämmung der einzelnen Elemente gemeint ist. Auch die resultierende Gesamtdämmung Rw,ges beschreibt damit zuerst einmal nur die Direktdämmung des gesamten Außenbauteils. Zur Erfüllung der Anforderungen muss aber ein Bauschalldämm-Maß R‘w,ges betrachtet werden.

Der Anteil der flankierenden Übertragung ist im Einzelfall zu prüfen. Er ist in vielen Fällen unbedeutend und braucht deshalb meistens nicht berechnet zu werden. Er kann z.B. vernachlässigt werden, wenn bei heute üblichen Fenstern das massive Außenbauteil ein bewertetes Schalldämm-Maß Rw ≥ 50 dB aufweist und R‘w,ges ≤ 40 dB ist.

Die resultierende Gesamtdämmung Rw,ges des Außenbauteils ergibt sich durch:

Zweischalige massive Außenwände

Bei zweischaligem Mauerwerk mit Luftschicht  darf das bewertete Schalldämm-Maß R’w aus der Summe der flächenbezogenen Massen der beiden Schalen ermittelt werden. Hierbei darf das ermittelte bewertete Schalldämm- Maß R’wum 5 dB erhöht werden.

Wenn die flächenbezogene Masse der auf die Innenschale der Außenwand anschließenden Trennwände größer als 50 % der flächenbezogenen Masse der inneren Schale der Außenwand beträgt, darf das Schalldämm- Maß um 8 dB erhöht werden.

Bei einer Dämmschicht aus Hartschaumplatten ist ein Abschlag von 2 dB auf das Schalldämm-Maß der gesamten flächenbezogenen Masse beider Schalen vorzunehmen.

Einschalige Außenwände mit WDVS

Ein WDVS auf einer massiven einschaligen Außenwand kann akustisch als Vorsatzschale betrachtet werden, die das Schalldämm- Maß Rw der Trägerwand verändert, was durch die so genannte Verbesserung des bewerteten Schalldämm-Maßes ΔRbeschrieben wird. Zur Ermittlung von ΔRw existiert ein in den allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen geregeltes Berechnungsverfahren

Als Einflussgrößen werden neben der Resonanzfrequenz die Trägerwand, die Verdübelung, die Klebefläche und (bei Dämmstoffen aus Mineralfaser) der Strömungswiderstand des WDVS berücksichtigt.

Anhand von ΔRw kann die Auswirkung eines WDVS auf die (Direkt)-Dämmung einer Außenwand wie folgt bestimmt werden:

Rw, mit WDVS = Rwohne WDVS + ΔRw

Für Außenwände aus Kalksandstein dürfen sowohl für die Direktschalldämmung wie auch für die Flanken-Schalldämmung (im Gebäude)  Rw – Werte verwendet werden, die sich aufgrund der Massekurve nach   E DIN 4109-3 für Kalksandstein ergeben.

Direktschalldämm-Maße Rw 1)   von KS-Wänden2)   

Korrekturwerte ΔRvon Kalksandsteinwänden mit WDVS entsprechend den jeweiligen Systemzulassungen – Richtwert

Die frühere Aussage, dass WDVS die Schalldämmung verschlechtern, ist mit heutigen Systemen nicht mehr generell aufrecht zu erhalten. Die Wahl des Dämmsystems entscheidet, ob erhöhte Wärmedämmung mit WDVS die Schalldämmung verbessert oder verschlechtert.

Für ein möglichst hohen Schalldämm-Maßes sind die die konstruktiv zu bemessenden Einflussgrößen:

  • Dynamische Steifigkeit der Dämmschicht s‘ und
  • Flächenbezogene Masse der Putzschicht in kg/m2

Dickere und damit schwerere Putzschichten sind günstiger. Die Steifigkeit des Dämmmaterials sollte möglichst gering sein.

Unter Schallschutzaspekten muss die Auslegung des WDVS aber nicht grundsätzlich nach diesen Gesichtspunkten erfolgen. Dies zeigt eine nähere Betrachtung der Frequenzeigenschaften des Außenlärms.

Reale Minderung von tieffrequentem Außenlärm

hochfrequentem Außenlärm

Eine Ausrichtung nur am bewerteten Schalldämm-Maß Rw entspricht zwar der derzeitigen Praxis, die auch dem Nachweis der DIN 4109 für den Außenlärm entspricht, gewährleistet aber nicht in jedem Fall den sinnvollsten Schallschutz gegen Außenlärm.
Zur Bestimmung der schalltechnischen Eigenschaften von einschaligen KS-Außenwänden kann der KS-Schallschutzrechner verwendet werden.

Spektrum-Anpassungswerte

Das bewertete Schalldämm- Maß als alleiniges Kriterium zur Auslegung des Schallschutzes ist nicht ausreichend. Um die frequenzabhängigen Eigenschaften in der aktuellen Geräuschsituation besser berücksichtigt zu können, haben die europäischen Regelwerke dafür die so genannten Spektrum-Anpassungswerte vorgesehen, die nach DIN EN ISO 717-1 als ergänzende Zahlenwerte zum bewerteten Schalldämm-Maß angegeben werden.
Die Spektrum-Anpassungswerte – je nach Bedarf C oder Ctr – können zum Wert des bewerteten Schalldämm-Maßes Rw addiert werden, um mit einem neuen Einzahlwert die schalldämmende Wirkung einer Konstruktion gegenüber einer bestimmten Geräuschart zu charakterisieren.

Beispiel für Spektrum-Anpassungswerte für eine einschalige, massive Wand ohne und mit WDVS

Einfluss der Fenster bei Außenwänden

Da Fenster üblicherweise eine deutlich niedrigere Schalldämmung als die massive Außenwand haben, verringert sich die resultierende Schalldämmung der gesamten Fläche gegenüber der Schalldämmung der Wand ohne Fenster. So führt z.B. ein relativ gutes Fenster mit Rw = 35 dB und einem Fensterflächenanteil von 30 % bei einer einschaligen Außenwand mit Rw = 50 dB rechnerisch bereits zu einer Verminderung um 10,5 dB, so dass Rw,ges auf 39,5 dB sinkt. Die geringere Schalldämmung solcher Bauteile muss im Bedarfsfall durch eine entsprechend höhere Schalldämmung der Wand ausgeglichen werden. Schwachstelle ist (bei genügend schwerer Massivwand) in der Regel das Fenster.

Zul. Fensterflächenanteile in % zur Erfüllung der Anforderungen bestimmter Lärmpegelbereiche für bestimmte Kombinationen der Schalldämmung der Fenster Rw,Fenster und der Schalldämmung der Außenwand R’w,AW

Weitere Informationen zu dieser Tafel in: Kalksandstein-Planungshandbuch (PKA)

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