KS-West e.V.

Mindestanforderungen; erhöhte Anforderungen und Empfehlungen zum Schallschutz

Nutzererwartung und Schallschutznormung

Die Nutzererwartung bezüglich des Schallschutzes entspricht zumeist nicht dem vertraglich vereinbarten und bauaufsichtlich geschuldeten Niveau. Eine mangelnde Aufklärung der Bauherren über die Diskrepanz zwischen seinem Wunsch und bauaufsichtlich geschuldeter Realität führt zu einer Vielzahl an Baustreitigkeiten über das sensible Thema Lärm und Schallschutz.

Aktuelle Regelwerke zum Schallschutz führen in die Sackgasse

Der unterschiedliche Stand der aktuellen Regelwerke ist für die Planungspraxis ein äußerst unbefriedigender Zustand und es wäre zu wünschen, dass eine Harmonisierung zwischen den verschiedenen Regelwerken und Empfehlungen erfolgen würde. Da dies in absehbarer Zeit jedoch nicht zu erwarten ist, werden für Gebäude aus Kalksandstein Empfehlungen gegeben, die für die privatrechtliche Vereinbarung des Schallschutzes herangezogen werden können. Diese Empfehlungen weisen gegenüber den zuvor beschriebenen Regelwerken den Vorteil auf, dass sie die Leistungsfähigkeit der konkreten Bauweise widerspiegeln und durch einen in der Regel wahrnehmbaren Unterschied zum Mindestschallschutz eine möglichst hohe Rechtssicherheit bieten.

Empfehlungen der Kalksandsteinindustrie

Anforderungen und Empfehlungen zum baulichen Schallschutz - Zusammenfassung

Das Schallschutz-Niveau von DIN 4109 ist in jedem Fall geschuldet und kann als „untere Auffangregel“ verstanden werden. In aller Regel ist für den Schallschutz zwischen Wohneinheiten privatrechtlich allerdings ein höheres Niveau geschuldet. Um sich wahrnehmbar von DIN 4109 abzuheben und ein konstruktiv sicher erreichbares Niveau zu wählen, empfiehlt es sich, für den horizontalen Luftschallschutz ein R’w von 56 dB zu vereinbaren. Dies liefert eine hörbare Verbesserung und kann mit üblichen Kalksandstein-Konstruktionen des Geschosswohnungsbaus bei mängelfreier Ausführung sicher erreicht werden. Ebenso empfiehlt sich ein Anforderungswert von R’w = 57 dB für den Luftschallschutz vertikal und L’n,w = 46 dB für den Trittschallschutz. Die Empfehlungen für einen erhöhten Schallschutz zwischen Reihen- bzw. Doppelhäusern berücksichtigen eine Verbesserung gegenüber dem Mindestschallschutz von 5 dB.

Es ist zu beachten, dass der Schallschutz für jedes Objekt zu planen und rechnerisch nach dem „Stand der Technik“ nach E DIN 4109-2 zu dimensionieren ist. Dazu gibt es den KS-Schallschutzrechner.

Anforderungen nach DIN 4109 als „untere Grenze“
Die Nutzererwartung bezüglich des Schallschutzes liegt zumeist über dem bauaufsichtlich geschuldeten Mindest-Schallschutz gemäß DIN 4109. Laut Urteil des Bundesgerichtshofs sind „die Schalldämm-Maße der DIN 4109 von vornherein nicht geeignet, als anerkannte Regeln der Technik zu gelten“. Sie dienen lediglich der Festlegung eines Schallschutz- Niveaus zum Schutz gegen unzumutbare Belästigungen, legen also keinen Schallschutz fest, der für Wohnungen mit üblichem Qualitäts- und Komfortstandard angewendet werden kann.

Beiblatt 2 zu DIN 4109
Die Empfehlungen in Beiblatt 2 für den erhöhten Schallschutz von Wohnungstrennwänden Wohnungstrennwänden und -decken weisen mit 2 dB bzw. 1 dB nur eine sehr geringe Differenz zu DIN 4109 auf. Um eine wahrnehmbare Verbesserung gegenüber den Mindestanforderungen nach DIN 4109 zu erreichen, ist hingegen mindestens eine Verbesserung von 3 dB erforderlich. Deshalb ist ein Schallschutz gemäß DIN 4109 Beiblatt 2 im Geschosswohnungsbau in der Regel nicht ausreichend, um rechtssicher einen erhöhten Schallschutz zu vereinbaren

VDI Richtlinie 4100
Neben dem Beiblatt 2 zu DIN 4109 steht dem Planer die VDI-Richtlinie 4100 als Grundlage für privatrechtliche vertragliche Vereinbarungen zur Verfügung. Die Empfehlungen gliedern sich in drei Schallschutzstufen: SSt I, SSt II und SSt III.
Während die Ausgabe des Jahres 2007 die Mindestanforderungen an den Schallschutz aus DIN 4109 in der Schallschutzstufe SSt I aufgriff, ist die neue Ausgabe des Jahres 2012 vollkommen losgelöst von DIN 4109 und umfasst lediglich Empfehlungen für den erhöhten Schallschutz, wobei die Anforderungswerte gegenüber der Ausgabe 2007 deutlich erhöht wurden.
Eine weitere wesentliche Änderung der Neuausgabe der VDI-Richtlinie ist die Umstellung auf eine neue volumen- und richtungsabhängige Anforderungsgröße: die Bewertete Standard-Pegeldifferenz DnT,w.
Die Kalksandsteinindustrie empfiehlt, dass Anforderungen, die über die Schallschutzstufe I der VDI 4100:2012 hinausgehen, nur dann vertraglich vereinbart werden sollten, wenn im Planungsstadium die sichere konstruktive Umsetzung aufgezeigt werden kann.

DEGA-Empfehlung 103: Schallschutz im Wohnungsbau – Schallschutzausweis
Die Empfehlung beschreibt ein Konzept zur Klassifizierung von Wohneinheiten mittels  Schallschutzklassen. Die sieben Schallschutzklassen werden als Ergänzung der Schallschutzanforderungen der Norm DIN 4109 definiert. Der DEGA-Schallschutzausweis ähnelt in seiner Systematik anderen Labelling-Systemen wie z.B. der Energiekennzeichnung Weißer Ware und bietet somit dem Nutzer (in der Regel akustischer Laie) die Möglichkeit zur Orientierung.

DEGA-Schallschutzausweis 

 Bewertungsskala                                             Anforderungen

Trennwände im eigenen Wohn- und Arbeitsbereich

Zwar werden an den Schallschutz im eigenen Wohn- und Arbeitsbereich keine bauaufsichtlichen Anforderungen gestellt, aber dennoch ist Schallschutz dafür ein Thema. Deshalb werden von verschiedenen Seiten Empfehlungen gemacht, die für Wände ohne Türen gelten.
Falls für Wände im eigenen Wohnbereich Schallschutzanforderungen geplant werden, sollten die betreffenden Wände mit einer ausreichend hohen flächenbezogenen Masse geplant werden. Es gelten sinngemäß die Ausführungen für Wohnungstrennwände.

Vorschläge für den Luftschallschutz im eigenen Wohnbereich (Wände ohne Türen)

Trennwände mit hohen Anforderungen an die Schalldämmung sollten schwer sein. Entkoppelte Anschlüsse verringern die Direktschalldämmung. Trennwände als Flankenbauteil sollten aus akustischen Gründen dann entkoppelt werden, wenn sie eine geringere flächenbezogene Masse als 200 kg/m2 aufweisen. Bei 11,5 cm dicken Wänden RDK 1,8 ist keine Entkopplung aus Gründen der Schalllängsleitung erforderlich.

KS-Lexikon

Infomaterial