KS-West e.V.

Energieeinsparverordnung (EnEV) 2014

Die Novellierung der erstmals 2002 erlassenen Energieeinsparverordnung ist am 21. November 2013 im Bundesgesetzblatt verkündet worden und tritt am 1. Mai 2014 in Kraft. Grund der Novellierung war die Umsetzung der 2010 neu gefassten EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD) sowie das bereits geänderte  Energieeinsparungsgesetz (EnEG).

Das geänderte EnEG sieht außerdem eine Grundpflicht zur Errichtung von Neubauten im Niedrigstenergiegebäudestandard (Behördengebäude ab 2019, alle übrigen Neubauten ab 2021) vor.

Ziel der neuen Verordnung ist u.a. eine angemessene und wirtschaftlich vertretbare Anhebung (gegenüber der derzeit gültigen Fassung EnEV 2009) von energetischen Anforderungen an Neubauten ab dem 1. Januar 2016 um durchschnittlich 25 Prozent des zulässigen Jahres-Primärenergiebedarfs und um durchschnittlich 20 Prozent bei der Wärmedämmung der Gebäudehülle - dem sog. zulässigen Wärmedurchgangskoeffizienten.

Außerdem sind Verkäufer und Vermieter von Immobilien künftig verpflichtet, den Energieausweis an Käufer bzw. Mieter zu übergeben. Der Energieausweis muss bereits bei der Besichtigung vorgelegt werden.

Anforderungen und Nachweismethodik für Wohn- und Nichtwohngebäude

Die EnEV 2014 für Wohngebäude

Im Rahmen der EnEV 2014 werden für Wohngebäude Anforderungen an die Größen Jahres-Primärenergiebedarf und spezifischer Transmissionswärmeverlust gestellt. Dies sind die aus der EnEV 2009 bekannten Anforderungsgrößen. Sowohl bezüglich der Höhe der Anforderungen, der Ermittlung der maximal zulässigen Werte und des Nachweisverfahrens haben sich Änderungen ergeben.

  • Anforderungswerte des Jahres-Primärenergiebedarfs: 
    Die Anforderungswerte des Jahres-Primärenergiebedarfs der EnEV 2009 bleiben bis zum 31. Dezember 2015 unverändert bestehen (das Referenzgebäude ist identisch aus EnEV 2009 übernommen). Ab dem 1. Januar 2016 sind diese Anforderungswerte aus dem Referenzgebäude um 25 % abzusenken.
  • Anforderungswerte des spezifischen Transmissionswärmeverlustes:
    Auch die Anforderungen an den spezifischen Transmissionswärmeverlust bleiben zunächst bis zum 31. Dezember 2015 unverändert aus der EnEV 2009 bestehen. Ab dem 1. Januar 2016 resultiert der Maximalwert des spezifischen Transmissionswärmeverlusts aus der baulichen Qualität des Referenzgebäudes. Dies entspricht der Vorgehensweise beim Nachweis der KfW-Effizienzhäuser.
  • Berücksichtigung von Anlagen zur Kühlung:
    Gebäude mit Anlagen zur Kühlung sind mit dem Verfahren der DIN V 18599 nachzuweisen. Der zulässige Jahres-Primärenergiebedarf wird ohne Berücksichtigung einer Kühlung ermittelt.
  • Nachweisverfahren:

Abweichend von den Berechnungsrandbedingungen der EnEV 2009 ist als Referenzklima die Region Potsdam zu berücksichtigen. Bis zum 31. Dezember 2015 ist der Primärenergiefaktor für Strom mit dem Wert fP = 2,4, ab dem 1. Januar 2016 mit dem Wert fP = 1,8 anzusetzen.

Neben den Anforderungen der EnEV 2014 ist das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) vom 1. Mai 2011 einzuhalten.

EnEV-easy

Das als „EnEV-easy“ bezeichnete vorliegende Nachweisverfahren soll im Rahmen einer Veröffentlichung nach in Kraft treten der Energieeinsparverordnung 2014 als alternatives Nachweisverfahren eingeführt werden. Der Ansatz ist dabei, dass in Abhängigkeit von der Größe des Gebäudes und der vorgesehenen Anlagentechnik (die die Anforderungen des EEWärmeG erfüllt) eine entsprechende Qualität des baulichen Wärmeschutzniveaus vorzusehen ist. Der Anwendungsbereich des Verfahrens ist begrenzt auf Gebäude, bei denen die geometrischen Abmessungen hinsichtlich:

  • Umfang der beheizten Fläche einer jeden Gebäudeetage/Etagenhöhe (zwischen 2,5 und 3m)
  • Anteil der Fensterfläche an allen Fassadenflächen
  • beheizte Gebäudenutzfläche

einen bestimmten Rahmen einhalten. Weiterhin ist die Ausführung der Wärmebrücken gemäß den Anforderungen der DIN 4108 Beiblatt 2 umzusetzen. Die Luftdichtheit des Gebäudes ist durch eine Dichtheitsprüfung nachzuweisen.

Der Nachweisaufwand mittels "EnEV-easy" soll insgesamt geringer ausfallen als der Aufwand für eine detaillierte Berechnung. Allerdings ist zu beachten, dass auch in dem vereinfachten Verfahren bestimmte Flächen der Gebäudehülle zu ermitteln sind, die Wärmedurchgangskoeffizienten berechnet werden müssen und alle Angaben und Eintragungen für den Energieausweis zu treffen sind. Insgesamt muss hinterfragt werden, ob das vereinfachte Verfahren tatsächlich zu der erhofften Zeiteinsparung führt und ob die Mehrkosten für die baulichen Maßnahmen, die aus den verfahrenstechnisch bedingten vorgesehenen Sicherheiten resultieren, den geringeren Planungsaufwand rechtfertigen.

Anforderungen der EnEV 2014

Die wesentlichen Anforderungen der Energieeinsparverordnung werden bei Wohngebäuden über den Jahres-Primärenergiebedarf (QP) formuliert.

Bauliche Ausführung des Referenzgebäudes „Wohngebäude“ gemäß EnEV 2009

Zusätzlich zu den genannten Anforderungen an den Jahres-Primärenergiebedarf Qp wird der spezifische Transmissionswärmeverlust HT begrenzt. Diese Größe, die eine Mindestqualität des baulichen Wärmeschutzes sicherstellen soll, wird abhängig von Gebäudetyp und -größe vorgegeben.

Ab dem 1. Januar 2016 resultiert der Maximalwert des spezifischen Transmissionswärmeverlusts aus der baulichen Qualität des Referenzgebäudes.

Höchstwerte des spezifischen, auf die Wärme übertragende Umfassungsfläche bezogenen Transmissionswärmeverlusts gemäß EnEV 2009

Sommerlicher Wärmeschutz

Damit zu Wohn- und ähnlichen Zwecken dienende Gebäude im Sommer möglichst ohne Anlagentechnik zur Kühlung auskommen und zumutbare Temperaturen nur selten überschritten werden, darf der raumbezogene Sonneneintragskennwert gemäß DIN 4108-2:2013-02 den Höchstwert Szul nicht überschreiten. Der Nachweis muss für sogenannte "kritische Räume", die besonders stark der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, geführt werden. Kritisch wirken sich z.B. große süd- oder westorientierte Fensterflächen, geringe Wärmespeicherfähigkeit der Bauteile und mangelnde Möglichkeit der Nachtlüftung aus. Eckräume mit mehreren Fassaden sind besonders problematisch.

Liegt der Fensterflächenanteil des zu beurteilenden Raumes unter den in der Tafel
angegebenen Grenzen, so gilt der Nachweis als erfüllt.

Im Falle von Wohngebäuden, bei denen der kritische Raum einen grundflächenbezogenen Fensterflächenanteil von 35 % nicht überschreitet und deren Fenster in Ost-, Süd- oder Westorientierung (inkl. derer eines Glasvorbaus) mit außenliegenden Sonnenschutzvorrichtungen mit einem Abminderungsfaktor FC ≤ 0,30 bei Glas mit g > 0,40 (Wärmedämmglas) bzw. FC ≤ 0,35 bei Glas mit g ≤ 0,40 (Sonnenschutzglas) ausgestattet sind, kann ebenfalls auf einen Nachweis verzichtet werden.

Für den bezüglich sommerlicher Überhitzung zu untersuchenden Raum oder Raumbereich ist der vorhandene Sonneneintragskennwert Svorh zu ermitteln.Der Gesamtenergiedurchlassgrad des Glases einschließlich Sonnenschutz gtotal kann vereinfacht berechnet werden. Alternativ kann das Berechnungsverfahren für gtotal nach DIN V 4108‑6, Anhang B verwendet werden.

Anhaltswerte für Abminderungsfaktoren FC von fest installierten Sonnenschutzvorrichtungen in Abhängigkeit von der Glasart

Höchstwert des Sonneneintragskennwerts
Der Sonneneintragskennwert Svorh darf den Höchstwert Szul nicht überschreiten, d.h.:

Svorh ≤ Szul

Der Höchstwert Szul wird als Summe der anteiligen Sonneneintragskennwerte in DIN V 4108-2 nach dem Bonus-Malus-Prinzip ermittelt. Hierbei finden die Klimaregion, die Bauart, eine ggf. mögliche Nachtlüftung, der grundflächenbezogene Fensterflächenanteil, ein ggf. vorhandenes Sonnenschutzglas, die Einbausituation des Fensters und der ggfs. vorgesehene Einsatz passiver Kühlung Berücksichtigung.

Bauart
Ohne Nachweis der wirksamen Wärmespeicherfähigkeit ist die Bauart als „leicht“ einzustufen.
Bei Wohngebäuden sowie wohnähnlich genutzten Gebäuden ist davon auszugehen, dass bei Ausführung der Außen- und Innenwände in Mauerwerk aus KS-Steinen der Rohdichteklasse ≥ 1,8 sowie Stahlbetondecken eine schwere Bauart vorliegt. Eine innenseitige wärmeschutztechnische Bekleidung der massiven Wände und Decken darf dabei nicht vorliegen.

Auszug aus DIN 4108-2, Tabelle 8 für vereinfachtes Sonneneintragskennwertverfahren

Ein Nachweisprogramm zum sommerlichen Wärmeschutz findet sich im KS-Downloadcenter.

Anlagentechnik

Heizungstechnische Anlagen
Die EnEV sieht vor, dass als Wärmeerzeuger bei neu zu errichtenden Gebäuden grundsätzlich alle im europäischen Binnenmarkt zulässigen Heizkessel eingesetzt werden dürfen. Die CE-Kennzeichnung, die die Konformitätserklärung des Herstellers dokumentiert, ist jedem Heizkessel beizulegen. Somit ist es möglich, bei neu zu errichtenden Gebäuden auch Standardheizkessel, also Geräte mit vergleichsweise schlechter Energieeffizienz, einzubauen.
Bei Einsatz eines Heizkessels im Gebäudebestand wird gefordert, dass diese Kessel dem Stand der Niedertemperatur- oder Brennwerttechnik entsprechen müssen.

 Heizungsanlagen sind grundsätzlich mit Einrichtungen auszustatten, die es ermöglichen, die gesamte Anlage oder auch Teile (Pumpen, Ventile) zeitabhängig oder in Abhängigkeit einer geeigneten Führungsgröße zu steuern bzw. zu regeln. Weiterhin müssen Heizungsanlagen raumweise regelbar sein (z. B. Thermostatventile). Umwälzpumpen sind selbsttätig steuer- oder regelbar auszuführen.

Warmwasseranlagen und Wärmeverteilung

Anforderungen an Wärmedämmung von Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen, Kälteverteilungs und Kaltwasserleitungen sowie Armaturen

Anrechnung von Strom aus erneuerbaren Energien
Strom aus erneuerbaren Energien (z.B. aus Photovoltaikanlagen oder Blockheizkraftwerken) darf im Nachweisverfahren angerechnet werden, wenn er in unmittelbarem räumlichen Zusammenhang mit dem Gebäude erzeugt und vorrangig im Gebäude selbst genutzt wird.

Gebäude mit Anlagen zur Kühlung
Bei Gebäuden mit Anlagen zur Kühlung ist das Nachweisverfahren gemäß DIN V 18599 anzuwenden. Das Rechenverfahren der Norm in der Fassung von Dezember 2011 erlaubt die Berechnung des Nutz-, End- und Primärenergiebedarfs der Raumkühlung auch für Wohngebäude. Der zulässige Jahres-Primärenergiebedarf wird ohne Berücksichtigung einer Kühlung ermittelt. Somit muss der für die Kühlung erforderliche Energieaufwand im Rahmen der Gesamtbilanzierung kompensiert werden.

KS-Lexikon

Infomaterial