KS-West e.V.

Gebäudetrennfugen

Gebäudetrennfugen sind konsequent durch den Baukörper und die Wandbekleidungen bis zur Oberkante des Fundamentes durchzuführen. Die Anordnung und Durchführung von Gebäudetrennfugen ist daher mit erheblichem Aufwand verbunden. Neben den statisch und baulich erforderlichen Maßnahmen entstehen über den gesamten Nutzungszeitraum zudem mehrfach wiederkehrende Kosten, da Gebäudetrennfugen zu warten sind. Für wirtschaftliche Planungen ist deshalb bei Großprojekten mit großen Gebäudeabmessungen frühzeitig zu prüfen, ob und an welchen Stellen Gebäudetrennfugen angeordnet werden sollen.

Außenwandkonstruktion bestimmt den Abstand

Verformungsbetrachtungen sollten grundsätzlich ab Gebäudelängen von etwa 20 m angestellt werden. Grundlage für die Planung von Gebäudetrennfugen ist zunächst die Wahl der Außenwandkonstruktion.
Wegen der außen angeordneten Dämmung bei KS-Funktionswänden sind Temperatureinwirkungen auf den gesamten Baukörper gering. Praxisbeispiele aus den letzten 20 Jahren zeigen, dass bei günstiger Gebäudeplanung mit geeigneten Maßnahmen und sorgfältiger Bauausführung Gebäudelängen von über 60 m ohne Gebäudetrennfuge möglich sind.
Bei gegliederten Gebäudeformen (z.B. L-, T- oder Z-förmige Grundrisse) sollte die zu erwartende Rissgefahr infolge der unterschiedlichen Formänderungen im Übergang der einzelnen Gebäudeteile grundsätzlich durch Gebäudetrennfugen ausgeschlossen werden sollte.

Tragenden Außen- und Innenwände sollten möglichst geschossweise übereinander angeordnet sein. Neben den Einwirkungen aus Eigen-, Nutz- und Verkehrslasten sowie möglichen Baugrundbewegungen sind insbesondere bei Dachdecken die folgenden Einwirkungen zu beachten:

  • Einmaliges Schwinden des Betons im Zuge der Austrocknung (Einsatz von schwindarmen Betonen mit entsprechender Nachbehandlung)
  • Verdrehungen im Bereich von Endauflagern
  • Wiederkehrende Verformungen durch Temperaturschwankungen im Rohbauzustand (noch ohne Dämmung der Dachdecke)

Dachdecken sind empfindlich

Geringe Auflasten im obersten Geschoss erheblichen Einfluss auf die Risssicherheit des tragende Außen- und Innenmauerwerks. Die Auflast von nur einem Geschoss kann bereits ausreichen, um z.B. Verdrehungen im Bereich von Decken-Endauflagern zu minimieren und trocknungs- oder temperaturbedingte Spannungen im Mauerwerk zu überdrücken.
Neben der Wahl einer geeigneten Deckenauflagerung können weitere günstig wirkende Maßnahmen angewendet werden. Hierzu gehören Arbeitsfugen bzw. Schwindgassen beim Betonieren der Decken bis hin zu geschosshohen Fenster- und Türöffnungen in langen (Obergeschoss-) Wänden.
Auch die bewusste Anordnung von stumpf gestoßenen oder „durchgeführten“ Wänden kann als spannungsabbauende Maßnahme genutzt werden.

Abschätzung des Abstandes von Gebäudetrennfugen

Ausgehend von den Festpunkten (z.B. betonierte Aufzugsschächte, betonierte Treppenhäuser und/oder betonierte Wandscheiben) können mit Hilfe von Schwind- und Temperaturkennwerten die zu erwartenden Längenänderungen von Dachdecken und Wänden abgeschätzt werden.

Schwind- und Temperaturverformungen durch Kalksandsteine und Stahlbeton für reale Gebäudelängen

Der in DIN EN 1996/NA angegebene Rechenwert der Feuchtedehnung von Kalksandsteinen (Schwindmaß) εs∞ = - 0,2 mm/m bezieht sich auf Prüfergebnisse an wasservorgelagerten Steinen.
Es ist daher in vielen Fällen ausreichend, ein baupraktisches Schwindmaß von - 0,1 mm/m zu Grunde zu legen. Risserzeugend wirken vor allem Dehnungsdifferenzen der einzelnen Bauteile und nicht die absolute Verformung eines Einzelbauteils. Daher ist die Kombination von Kalksandsteinwänden und Betondecken bei sorgfältiger Analyse der möglichen Verformungsdifferenzen im Regelfall eine Konstruktion mit verhältnismäßig geringer Rissneigung der einzelnen Bauteile.

Dehnungsfugen

Wenn auf die Anordnung von Gebäudetrennfugen verzichtet werden kann, ist zu beachten, dass trotzdem Dehnungsfugen in einzelnen Bauteilen erforderlich werden können. Insbesondere gilt dies für Verblendschalen und für nicht oder nur gering belastete Ausfachungswände in Skelettbauten sowie ggf. auch für nicht tragende innere Trennwände. Diese Dehnungsfugen müssen aber im Gegensatz zu Gebäudetrennfugen nicht durch den gesamten Baukörper geführt werden. Es ist ausreichend, wenn nur die einzelnen Wandabschnitte je nach Wandart und Beanspruchung durch entsprechend ausgebildete Fugen voneinander getrennt werden.

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