Bundesverband Kalksandsteinindustrie e. V.
Markt und Bauwirtschaft 12.01.2018 print

Kalksandsteinindustrie 2018: Anstehenden Herausforderungen mit neuen Lösungen begegnen

Die Kalksandsteinindustrie blickt auf ein abwechslungsreiches Geschäftsjahr 2017 zurück, in dem sich die wirtschaftliche Entwicklung trotz rückläufiger Baugenehmigungszahlen auf einem soliden Wachstumskurs von voraussichtlich 3 Prozent bewegte. Auch für das Jahr 2018 bleibt die Kalksandsteinindustrie optimistisch und prognostiziert ein Absatzplus von circa 2 Prozent, jedoch bei teils erheblichen regionalen Unterschieden.

Diese positive Perspektive führt die Kalksandsteinindustrie unter anderem auf die weiterhin gute Ausgangssituation zurück. Dazu gehören das immer noch sehr niedrige Zinsniveau, eine gute Einkommens- und Arbeitsplatzentwicklung, der Mangel an attraktiven sonstigen Anlagemöglichkeiten und wichtige Frühindikatoren, wie der Ifo-Geschäftsklimaindex, der die konjunkturelle Entwicklung und die Bautätigkeit in Deutschland auch in 2018 auf einem positiven Kurs sieht.

All die positiven Einschätzungen dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass bezahlbare Wohnungen, insbesondere in den Ballungsgebieten, noch immer deutlich unterhalb des Bedarfs an Wohnraum liegen. Dies bestätigt auch eine aktuelle Studie der Prognos-AG, Berlin. Demzufolge fehlen rund eine Million Wohnungen in Deutschland, denn inzwischen sind nicht nur deutsche Großstädte und Metropolen vom Wohnungsmangel betroffen, sondern auch ländliche Regionen.

Baugenehmigungen und -fertigstellungen driften weiter auseinander

Dieser baukonjunkturelle Trend lässt auch aus den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes herleiten. Demnach wurden von Januar bis September 2017 4,6 Prozent bzw. 10.600 weniger Baugenehmigungen von Neubauwohnungen in Wohngebäuden erteilt, als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Demgegenüber stehen die Genehmigungszahlen von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern mit einem Plus von 0,9 Prozent.

Der Wermutstropfen: Genehmigte Wohnungen bedeuten noch lange nicht gebaute, bezahlbare Wohnungen. 2016 war laut dem Statistischen Bundesamt der Anstieg der genehmigen Wohnungen (+ 19,8 Prozent auf 375.400 Wohneinheiten) deutlich höher als die Zunahme der Fertigstellungen (+ 12,1 Prozent auf 277.700 Wohneinheiten). Das führte in 2016 zu einem Gesamtüberhang von 605.000 genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen. Damit setzte sich der Anstieg des Bauüberhangs seit 2008 weiter fort und erreichte den höchsten Wert seit 1999 (679.200 Wohneinheiten).

Politische Rahmenbedingungen müssen stimmen

Auch vor diesem Hintergrund wird sich die Kalksandsteinindustrie in ihrer politischen Lobbyarbeit weiterhin vehement dafür einsetzen, dass in Bezug auf den Wohnungsneubau in der kommenden Legislaturperiode die baukonjunkturellen Weichen anders und schneller gestellt werden. So sind steuerliche Förderungen des Wohnungsneubaus wie eine Erhöhung der AfA und Sonderabschreibungen unausweichlich, um Investoren einen Anreiz zu geben, ihr Kapital auch in bezahlbaren Wohnungsbau anzulegen. Auch die Forderung nach einem separaten Bundesbauministerium, das für wichtige Zukunftsthemen des Wohnungsbaus wie einem einheitlichen und schlanken Baurecht mit weniger kostentreibenden Auflagen und schnelleren, standardisierten Genehmigungsverfahren etc. verantwortlich ist, spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.

Wettbewerbsneutralität hat Vorrang

Gleichzeitig stellt sich die Kalksandsteinindustrie in 2018 den wesentlichen Herausforderungen, die künftig den konstruktiven Mauerwerksbau maßgeblich beeinflussen werden. Hier ist insbesondere die politische Einflussnahme zur „Förderung des Bauens mit Holz“ zu nennen. Bereits seit Jahren nehmen verschiedene Umweltministerien, wie zum Beispiel in Bayern, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, öffentlich politische Pro-Holz-Positionen ein, die nicht länger hinzunehmen sind. Im engen Schulterschluss mit anderen Mauerwerksverbänden wird die Kalksandsteinindustrie dieser Wettbewerbsverzerrung und einseitigen politischen Einflussnahme mit wissenschaftlich fundierten, ökologischen, wirtschaftlichen wie auch konstruktiven Daten und Fakten und mit Nachdruck entgegentreten.

Als Anbieter einer breiten Produktpalette mit allen gängigen Mauersteinformaten, Sonderprodukten wie auch wirtschaftlichen Bausystemen für zukunftsorientierte und multifunktionale Mauerwerkskonstruktionen, ist sich die Kalksandsteinindustrie ihrer maßgebenden Rolle im Rohbausegment bewusst und wird diese insbesondere mit Blick auf den Wettbewerber Stahlbeton im Jahr 2018 weiter ausbauen. Unsere Industrie verfügt über bewährte Lösungskonzepte sowie solide Bautechniken, die sich durch eine hohe Anwendungs- und Konstruktionsflexibilität auszeichnen.

Alle Arten von Gebäuden - von privaten Bauvorhaben über Wirtschafts-und Gewerbebauten bis zur Domäne des Kalksandsteins, dem Bau von mehrgeschossigen Wohnhäusern und Wohnquartieren - können schnell, kostengünstig, energieeffizient und nachhaltig mit Kalksandstein erstellt werden. Im Focus stehen serielle Bausysteme mit großformatigen Kalksandsteinen. Aufgrund ihrer hohen Druckfestigkeitsklassen 12 und 20 können mehrgeschossige Wohnungsbauten mit schlanken Wänden und Wohnflächengewinnen bis zu 7 Prozent wirtschaftlich erstellt werden. Ein schlagkräftiges Argument für Investoren.

Kalksandstein erfüllt schon heute kommende Anforderungen

Ferner zeichnen sich für das Jahr 2018 maßgebende Änderungen in den Regelungen zum Wärme- und Schallschutz ab. So soll im Rahmen des neuen GebäudeEnergieGesetzes (GEG) das neue Beiblatt 2 zu DIN 4108 „Wärmebrücken“ eingeführt werden. Das dort beschriebene, verbesserte Niveau von Anschlussdetails kann bereits mit Standardkonstruktionen der Kalksandsteinbauweise problemlos umgesetzt werden. Eine Hilfestellung dazu bietet der „KS-Wärmebrückenkatalog Online“ (www.ks-waermebruecken.de), der ab Anfang 2018 auch die neuen Regeln und Wärmebrückendetails beinhalten wird.

Das hohe Energieniveau, das mit dem GEG künftig als Standard gefordert wird, kann mit funktionsgetrennten Kalksandsteinaußenwänden bereits heute problemlos erfüllt werden. Darüber hinaus ist ein thermischer Standard bis hin zum Passivhaus wirtschaftlich möglich. Die Konstruktionen dafür sind auf der Baustelle gang und gäbe und werden seit Jahren problemlos eingesetzt.

Ähnlich verhält es sich mit den bauaufsichtlichen Anforderungen zum Schallschutz. Nach über 20-jähriger Überarbeitungszeit wird die neue Schallschutznorm DIN 4109 im kommenden Jahr über die jeweilige Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (VV TB) in den Bundesländern eingeführt. Die Kalksandsteinindustrie bietet mit dem KS-Schallschutzrechner (www.kalksandstein.de/schallschutzrechner) ein Nachweisprogramm an, mit dem die neuen Verfahren der DIN 4109 problemlos in die Planungspraxis integriert werden können. Die hohen Rohdichten der Kalksandsteinprodukte ermöglichen in Kombination mit den KS-spezifischen einfachen Detailausbildungen darüber hinaus die Möglichkeit, auch einen erhöhten Schallschutz sicher und kostengünstig zu realisieren.

Herausforderungen im Blick

Zwei weitere Herausforderungen 2018 hängen mit Kosteneinsparungen eng zusammen. Zum einen ist es die Erarbeitung des Nationalen Anhangs zum Eurocode 8, der zukünftigen Erdbebennorm. Die Kalksandsteinindustrie ist in den zuständigen wissenschaftlichen und politischen Gremien direkt vertreten, in denen unter anderem Kosten-Risiko-Abschätzungen intensiv diskutiert werden. Hintergrund ist die geplante Anhebung der Erdbebeneinwirkungen, verbunden mit erhöhten Anforderungen an Baukonstruktionen in den deutschen Erdbebengebieten Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, die zu einer erheblichen Erhöhung der Baukosten führen könnten.

Der zweite Punkt betrifft die Novellierung der Eurocodes auf europäischer Ebene. Auch hier setzt sich die Kalksandsteinindustrie in den Normungsgremien für einfache und kostengünstige Anwendungen ein, da die Planungsvorgaben bei Gebäuden immer komplexer werden.

Auch in Bezug auf die europäisch harmonisierten Bauproduktnormen und die in der Diskussion stehende Umsetzung der bauordnungsrechtlichen Randbedingungen zu Bauprodukten befinden sich Bauherren, Architekten, Ingenieure und Bauunternehmer mit Kalksandstein auf der sicheren Seite. Es werden nur vollständig genormte und CE-gekennzeichnete Produkte ohne nationale Zusatzanforderungen hergestellt.

Schnittstelle zwischen BIM und Leistungserklärung

Ebenso nimmt die Digitalisierung des Bauwesens und die Vernetzung von Arbeitsprozessen – mit Schwerpunkt BIM (Building Information Modeling) weiter zu. Die Kalksandsteinindustrie wird 2018 BIM-fähige Module zur Verfügung stellen. Dabei steht das Smart-CE-Marking-Format als Zwischenschritt im Vordergrund, welches mit BIM kompatibel ist. Es erlaubt die digitale Datenübermittlung von Informationen der Leistungserklärung bzw. CE-Kennzeichnung im XML-Format und die direkte Integration dieser Daten ins BIM-Modell. Mit benutzerorientierten Apps ist darüber hinaus eine Überprüfung der Anwendbarkeit der CE-gekennzeichneten Produkte für die jeweils vorgesehene Einbausituation in Deutschland möglich.

Diese Schnittstelle, bei dessen Entwicklung die Kalksandsteinindustrie die Vorreiterrolle übernimmt, schließt den Kreis zwischen Auftrag, Planung und Ausführung und erleichtert Planern, Verarbeitern, Endverbraucher wie auch Behörden die Daten-Dokumentation und verringert den Arbeitsaufwand.

Bundesverband Kalksandsteinindustrie eV
Entenfangweg 15
30419 Hannover

info@kalksandstein.de
www.kalksandstein.de

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