KS-Bayern e.V.

Mauern bei Frost und Hitze

Das Arbeiten bei Extremtemperaturen ist bei allen Mauersteinsorten (Ziegel, Kalksandstein, Porenbeton, Bimsstein, Betonstein) und Mörtelsorten (Normal-, Dünnbett-, Leichtmörtel) – ebenso wie bei Beton – grundsätzlich kritisch.

Mauern bei Frost

Das Arbeiten bei Frost ist bei allen Mauersteinsorten (Ziegel, Kalksandstein, Porenbeton, Bimsstein, Betonstein) und Mörtelsorten (Normal-, Dünnbett-, Leichtmörtel) und bei Beton grundsätzlich kritisch. 

Mineralische Mauermörtel und Außenputzmörtel, enthalten in der Regel Zement und Kalk als Bindemittel. Zusammen mit Wasser erhält man den Mörtelleim. Chemische Reaktionen verfestigen den Mörtelleim und die sich dauerhaft bildenden Kristalle ermöglichen eine optimale und kraftschlüssige Verbindung aller Komponenten im Gefüge. Bestimmte Additive können die Verbundfähigkeit zwar unterstützen, aber die chemischen Reaktionen im erhärtenden Mörtel erfordern immer eine Mindesttemperatur.

Dieses Temperaturniveau wird von den meisten Mörtelherstellern mit etwa +5°C angegebenen. Mit weiter abnehmenden Temperaturen nimmt die Festigkeitsbildung immer weiter ab und kommt schließlich komplett zum Stillstand. Da der Mörtel in dieser Zeit jedoch weiter austrocknet, kann dieser bei länger anhaltenden kühlen Witterungen somit „verdursten“ – ähnlich dem zu raschem Wasserentzug im Sommer, bei hohen Temperaturen. Der Mörtel trocknet aus ohne abzubinden!

Dementsprechend benötigt man zwingend Witterungsbedingungen mit Temperaturen am Einbauort, welche die genannten Mindesttemperaturen für die Zeit des Abbindeprozesses garantieren. Dies gilt nicht nur für die Umgebungsluft, sondern auch für Steine, Mörtel und Untergründe.

Aus diesem Grund sind auch frisches Mauerwerk und Beton vor Frosteinwirkung rechtzeitig zu schützen, z.B. durch Abdecken. Auf dem gefrorenen Mauerwerk darf nicht weitergemauert werden.

Das Mauern bei Frost bedarf grundsätzlich der Zustimmung des Auftraggebers (VOB C: DIN 18330, Abschnitt 3.1.2). In DIN EN 1996-2/NA Abschnitt 3.6.3 NA.3 wird weiterhin geregelt, dass bei Frost nur unter besonderen Schutzmaßnahmen gearbeitet werden darf.

Ob „Frost“ im Sinne der DIN EN 1996-2 vorliegt, lässt sich nicht durch Ablesen des Thermometers ermitteln. Die folgenden Regeln sind beim Mauern im Winterhalbjahr einzuhalten:

  • Bei Frost darf Mauerwerk nur unter besonderen Schutzmaßnahmen (z.B. durch Einhausen) ausgeführt werden
  • Der Einsatz von Frostschutzmitteln ist nicht zulässig; Frisches Mauerwerk ist vor Frost zu schützen
  • Gefrorene Baustoffe dürfen nicht eingesetzt werden.

Durch Frost oder andere Einflüsse beschädigte Teile von Mauerwerk sind vor dem Weiterbau abzutragen.

Frisches Mauerwerk kann z. B. durch Abdecken mit Folie vor Frost geschützt werden.

Schutzmaßnahmen auch bei Wintermörtel

In Jahreszeiten mit niedrigen zu erwartenden Temperaturen, wird von vielen Mörtelherstellern zudem das sogenannte Wasserrückhaltevermögen (verhindert im Sommer den zu raschen Entzug des Anmachwassers) reduziert. Damit taucht immer wieder der Begriff „Wintermörtel“ auf. Eine verhängnisvolle Bezeichnung, wenn damit eine Verarbeitung (ohne die notwendigen Sicherungsmaßnahmen einer Winterbaustelle) in Frostnähe verstanden wird.

Eine Sichere und risikofreie Verarbeitung bei niedrigen Temperaturen, erfordert daher immer (auch bei der Verwendung sogenannter Wintermörtel) die Einhaltung der Regeln einer Winterbaustelle wie in DIN EN 1996/NA und VOB-C ausführlich beschrieben!

Gefahren durch Tausalz

Arbeitsplätze und Arbeitsflächen auf der Baustelle auf keinen Fall mit Tausalzen, sondern mechanisch oder unter Verwendung von Wasserdampflanzen von Eis und Schnee befreien. Es besteht sonst die Gefahr, dass Ausblühungen im Mauerwerk auftreten, die zu Folgeschäden in Putz und Anstrich führen können.

Für den Streu- und Spritzbereich bestehender Gebäude dürfen ebenfalls keine Tausalze verwendet werden.

Mauern bei Hitze

Auch hohe Temperaturen im Sommer können Gefahren für frisches Mauerwerk bergen. Denn starke Hitze führt zu einer schnellen Verdunstung des Anmachwassers, das im frisch verarbeiteten Mörtel enthalten ist. Die Verdunstung kann durch Wind noch beschleunigt werden. Liegen diese Bedingungen längere Zeit vor, ist es möglich, dass nicht mehr ausreichend Wasser für den Erhärtungsprozess des Mörtels vorhanden ist und die erforderliche Festigkeit des Mörtels sowie die feste Verbindung des Mörtels mit dem Stein nicht erreicht werden. Zusätzlich können sehr trockene Steine dem Mörtel auch Teile des Anmachwassers entziehen.

Einfache und praktische Lösung: Steine Vornässen
Für das Mauern mit Mauermörtel wird unter den beschriebenen Bedingungen empfohlen, sehr trockene Mauersteine eine Stunde vor dem Mauern gründlich vorzunässen und die frisch erstellten Wände durch Abdecken mit Folien vor zu schnellem Austrocknen zu schützen.

Bei starker Hitze ist das Vornässen der Mauersteine zu empfehlen.

KS-Lexikon