Bezahlbarer Wohnungsbau entsteht nicht durch die Wahl einer Bauweise.
Er entsteht durch das Zusammenspiel aus Entwurf, Konstruktion, Bauphysik und Ausführung.
Wenn über bezahlbaren Wohnungsbau gesprochen wird, stehen meist Baupreise, Förderprogramme oder einzelne Bauweisen im Mittelpunkt. Das ist nachvollziehbar, greift aber zu kurz.
Denn viele der finanziellen Weichen werden bereits gestellt, bevor Details ausgeschrieben oder Baustoffe bestellt werden: Bei Grundstück, Kubatur, Grundriss, Tragwerkskonzept, Erschließung und bautechnischen Schnittstellen.
Aktuelle Zahlen der Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) zeigen zugleich: Auch die Wahl der Bauweise gehört in eine datenbasierte Debatte.
Die DGfM hat die Destatis-Fertigstellungszahlen 2025 für Wohngebäude mit drei oder mehr Wohnungen ausgewertet. Das Ergebnis zeigt deutliche Unterschiede bei den veranschlagten Kosten je Kubikmeter umbauten Raums:
Mineralische Bauweisen aus Kalksandstein, Porenbeton und Leichtbeton lagen nach DGfM-Auswertung bei rund 392 Euro/m³. Für Ziegel wurden rund 426 Euro/m³, für Stahlbeton rund 428 Euro/m³, für Holz rund 481 Euro/m³ und für Holz-Fertigteilbauten rund 489 Euro/m³ ausgewiesen. Der Unterschied zwischen der wirtschaftlichsten und der teuersten Bauweise beträgt damit fast 25 Prozent.
Solche Zahlen sollten in der wohnungspolitischen Debatte stärker berücksichtigt werden. Bezahlbarer Wohnungsbau braucht technologieoffene Förderung auf Basis realer Baukostendaten, nicht auf Basis baupolitischer Vorfestlegungen.
Gleichzeitig bleibt entscheidend: Bezahlbarkeit entsteht nicht allein durch die Wahl einer Bauweise. Sie entsteht durch das Zusammenspiel aus Entwurf, Konstruktion, Bauphysik und Ausführung.
Eine fachliche Einordnung dazu liefert auch unsere Publikation „Kalksandstein – Geschosswohnungsbau“. Die Möglichkeit, Projektkosten wirksam zu beeinflussen, sinkt mit fortschreitendem Projekt erheblich. Wer kostensicher bauen will, muss deshalb früh über Konzeption, Baukörper, Wiederholbarkeit und Ausführung nachdenken.
Für den Geschosswohnungsbau heißt das:
– reale Baukostendaten statt pauschaler Annahmen,
– frühe Systementscheidungen statt später Detailkorrekturen,
– wirtschaftliche Baukörper und klare Tragwerkskonzepte,
– gestapelte Grundrisse und rationelle Erschließung,
– robuste, gut planbare Wandaufbauten.
Bezahlbarer Wohnungsbau braucht Tempo. Aber er braucht ebenso frühe, nachvollziehbare und wirtschaftlich belastbare Entscheidungen.
Die Baukostendebatte sollte deshalb nicht erst beginnen, wenn das Projekt schon weitgehend festgelegt ist.
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